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Tehillim-Psalmen: Im Dialog

Bislang ist er einzigartig: der interreligiöse Psalmenchor in Frankfurt. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich etwa 50 Sänger zusammengefunden, um gemeinsam jüdische und christliche Vertonungen des 23. Psalms einzustudieren und aufzuführen. Dabei geht es den beiden Initiatoren und Leitern dieses Projekts – der evangelischen Kantorin Bettina Strübel und dem jüdischen Vorbeter Daniel Kempin – nicht nur darum, musikhistorisch interessante geistliche Kompositionen vorzustellen. Vielmehr soll die Beschäftigung mit den Psalmen auch zum Gespräch anregen, über den Text und über seine jeweilige Auslegung in der christlichen und jüdischen Tradition – und darüber, ob diese Jahrtausende alte Poesie auch heute noch unser Ohr und unser Herz erreichen kann. Die Frankfurter Rabbinerin Dr. Elisa Klapheck und ein evangelischer Theologe begleiten dieses Gespräch und stellen jeweils ihre Übersetzung und Deutung des Psalmentextes vor.
Dieses Jahr hatten sich die beiden Kantoren Psalm 115 ausgewählt. Er zählt zu den so genannten Hallel-Psalmen, die an den drei jüdischen Pilgerfesten Pessach, Schawuot (Wochenfest) und Sukkot (Laubhüttenfest) gesungen wurden. Das Ergebnis dieser Monate langen, intensiven Beschäftigung mit dem biblischen Text wurde dann am 26. Mai 2014 im Großen Saal des Dominikanerklosters in einem beeindruckenden Konzert mit theologischen Gesprächen vorgestellt.

Wenn das Publikum weiterhin so wachse, meinte Thorsten Latzel, Direktor der Evangelischen Akademie, in seiner Begrüßung, „dann müssen wir in einigen Jahren das Eintrachtstadion für diese Veranstaltung mieten“. Tatsächlich war der Große Saal im Dominikanerkloster am Montagabend bis auf den letzten Platz besetzt, so großer Beliebtheit erfreuen sich mittlerweile die Konzerte des Interreligiösen Chors Frankfurt (IRCF). Dieses Mal ging es, wieder in Wort und Musik, wieder in christlicher und jüdischer Deutung, um Psalm 115. Er gehört zum so genannten „Ägyptischen Hallel“, einer Reihe von Lobpreisungen und Danksagungen Israels an Gott nach dem Ende der babylonischen Gefangenschaft, die eben deshalb überwunden werden konnte, weil man sich daran erinnerte, dass Gott schon einmal sein auserwähltes Volk aus der Sklaverei gerettet hatte. Der Text beschwöre das „ewige Dennoch“, jene Spannung also, in der die Juden seit Jahrtausenden der Verfolgung und Vertreibung lebten: „dass wir trotzdem weitermachen und immer wieder auf Gott vertrauen“, erläuterte die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck ihre Interpretation des Psalms. Gleichzeitig hob sie hervor, dass „Juden in ihrer Gottesbeziehung weniger sicher und stärkeren Zweifeln ausgesetzt seien als Christen.“ Denn während ihr christlicher Gesprächspartner, der Tübinger Professor für Altes Testament, Martin Leuenberger, im Ausgang des Psalms 115 uneingeschränkte Zuversicht erkennt: „Gott segnet das Haus Israel“, sieht Klapheck hier eher eine Hoffnung oder Beschwörung als eine Gewissheit formuliert: „Gott möge oder wird das Haus Israel segnen.“

Eingerahmt waren diese theologischen Diskurse von wunderbarer Musik, von den vielen Vertonungen in der kirchlichen und der synagogalen Tradition, die der 115. Psalm erlebt hat: Mendelssohn-Bartholdy, Bach, Haydn haben Kompositionen zu diesen Versen geschrieben. Der Chor, der von der evangelischen Kantorin Bettina Strübel und dem Vorbeter der liberalen jüdischen Gemeinde Frankfurt, Daniel Kempin, gemeinsam geleitet wird, trug aber auch vor, wie der Psalm vermutlich vor 2000 Jahren im Tempel gesungen wurde: als Wechselgesang zwischen einzelnen Stimmen und einer großen Schar von Pilgern. Besonders beeindruckend war das „Haschem s’charanu“ von Albert Kellermann, einem ehemals bedeutenden Komponisten synagogaler Musik. Die Noten zu diesem Werk, die sich in Besitz der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek befinden, wurden für diese Aufführung erstmals wieder von einem Musik-Verlag ediert.

Wer sich dem Interreligiösen Chor Frankfurt (IRCF) anschließen möchte, kann sich postalisch wenden an:

• Evangelische Akademie Frankfurt am Main, Haus am Weißen Stein, Eschersheimer Landstraße 567 in 60431 Frankfurt wenden

• oder ein Fax an die Rufnummer 069/1741526-25 senden

• oder im Internet unter www.bettina-struebel.de ein online-Formular ausfüllen

Auf dieser Homepage finden Sie auch alle weiteren Informationen zum "Tehillim.Psalem: Im Dialog"-Projekt.

Die Mitgliedschaft im Chor ist kostenfrei, erforderlich ist lediglich ein Betrag in Höhe von 30 Euro für das Notenmaterial.