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Mehrwert Menschlichkeit

„Bildung!“ – unter diesem Motto stand in diesem Jahr der Deutsche Stiftungstag, Europas größter Stiftungskongress. Zirka 1400 Teilnehmer waren Mitte Mai der Einladung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen nach Osnabrück gefolgt, um sich drei Tage lang in 100 Veranstaltungen zu informieren, zu lernen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Gabriele Quandt und Florian Langenscheidt wurden als Gründungsstifter der Stiftung “Children” (München) mit dem diesjährigen Stiftungspreis ausgezeichnet.

So hatte der Arbeitskreis Frauen und Stiftungen, der von Friederike von Bünau, Geschäftsführerin der EKHN Stiftung geleitet wird, die Osnabrücker Psychologieprofessorin Heidi Keller für einen Vortrag gewinnen können, in dem diese sich mit der „Wechselwirkung von Kultur und Lernen“ auseinandersetzt und dabei vor allem den Zugang von Mädchen und Frauen zu Bildung in verschiedenen Kulturen untersucht. Denn, so das Resümee der Wissenschaftlerin: Was wir lernen, wie wir lernen und vor allem mit und von wem, das ist nach wie vor kulturell bestimmt. Im Gespräch mit Friederike von Bünau stellte Heidi Keller im Anschluss Überlegungen an, wie das hiesige Bildungssystem auf die Diversität von Lerninhalten und –stilen reagieren und gleichzeitig dem Ziel der Chancengleichheit gerecht werden kann. Ehrengast des Deutschen Stiftungstages war in diesem Jahr der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff. Auf Einladung der Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück und den Evangelischen Stiftungen Osnabrück sprach Wulff in der Marienkirche über das Verhältnis zwischen Staat und Stiftungen und ging der Frage nach, ob der Staat eigene Aufgabe auf die Stiftungen abwälzt oder ob diese mit ihrem Engagement ihn bei der Wahrnehmung seiner Pflichten unterstützen. Trotz voller Staatskassen funktioniere unsere Solidargemeinschaft nur dank des Einsatzes ehrenamtlicher Kräfte: „Es bedarf vieler, die sich verantwortlich fühlen und sich für eine gerechtere, soziale Gesellschaft einbringen“, sagte der frühere Bundespräsident. In der anschließenden Diskussion, an der auch Friederike von Bünau, Weihbischof Johannes Wübbe, Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger teilnahmen, plädierte die Geschäftsführerin der EKHN Stiftung dafür, in Zeiten sinkender Zinserträge aus dem Stiftungskapital „mehr auf das Engagement der Menschen und nicht nur auf die finanzielle Förderung zu setzen“. Außerdem sieht Friederike von Bünau die Stärke der Stiftungen vor allem in ihren „schnellen Entscheidungswegen“, worin sie sich unter anderem von staatlichen Institutionen unterscheiden.