Die Kunst der Kantate

20. September 2019

Seit 2004 findet nahezu in jedem Monat eine BachVesper statt – samstags in der Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache und sonntags in der Wiesbadener Marktkirche oder der Christophoruskirche in Wiesbaden-Schierstein. Ausführende sind das Orchester „Bach-Collegium Frankfurt/Wiesbaden“ sowie Mitglieder der Schiersteiner Kantorei, der Kantorei St. Katharinen Frankfurt und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt unter Leitung von Clemens Bosselmann (Kantor in Schierstein) und Michael Graf Münster (Kantor an St. Katharinen).

 

Bach selbst leitete bis kurz vor seinem Tode an jedem Sonntag eine Kantatenaufführung, an Feiertagen zwei. Er spielte sonntags vor 2.000 Hörern, feiertags vor 4.000 Hörern überwiegend seine eigene Musik.

„Bachs Kantaten entstammen dem Gottesdienst und gehören in den Gottesdienst und sind eine singuläre Hochblüte im Zeitenwechsel der frühen Aufklärung“, erläutert Michael Graf Münster die musikhistorische Bedeutung dieser Kompositionen. „Um 1725 überlagern sich in ihnen für kurze Zeit Kirche und Konzertsaal. Die Musik schlägt Feuer aus Texten, die durch und durch von der Bibel geprägt sind. Das ist Tradition lutherischer Frömmigkeit, konservativ. Zugleich sind Bachs Kantaten opernnah, vor allem in den Rezitativen und Arien. Und dann entwickelt Bach vor allem in den Eingangssätzen Sinfonik, bevor es dieses Wort gab. Ausladende, bedeutungsvolle Instrumentalmusik mit Gesang. Das Spiel mit den Klangfarben und die dynamischen Entwicklungen des Orchesters erst ziehen einen weiten Zeitraum auf, in dem so insistierend, so variantenreich, so ausführlich gesungen werden kann. Das weist in die Zukunft."