Stammväter-Gipfel in Gießen

24. Januar 2019

Es gleicht einem Gespräch über gemeinsame Bekannte: Man tauscht sich aus über deren Leben und Charakter und entdeckt, dass man diese Personen doch vollkommen unterschiedlich sieht und bewertet. So ähnlich muss es den beiden Autoren Sibylle Lewitscharoff und Najem Wali bei ihren „Streifzügen durch Bibel und Koran“ ergangen sein. Denn in ihrem gemeinsamen Buch „Abraham trifft Ibrahim“ nehmen sie sich neun Figuren vor, die in beiden heiligen Texten vorkommen, und deuten diese aus ihrer jeweiligen Perspektive. So entstehen farbige, sprachlich virtuos verfasste Porträts von Eva, Abraham, Jona, Lot, Hiob, Salomon, Moses, Maria und dem Teufel. Das Interessante dabei ist, wie unterschiedlich diese Gestalten in den heiligen Schriften dargestellt werden.

Die Schriftstellerin Lewitscharoff ist Protestantin und Religionswissenschaftlerin; der aus dem Irak stammende Wali studierte in Basra Deutsche Literatur und ist und nach eigenen Angaben Atheist, gegensätzlicher können die Voraussetzungen für einen Dialog über Religion wohl nicht sein. Aber den beiden gelingt die Annäherung, und herausgekommen ist dabei eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre, die trotzdem die großen Fragen der menschlichen Existenz berührt. Auf Einladung der Evangelischen Studierenden Gemeinde (ESG) Gießen, in Kooperation mit dem Germanistischen Seminar der Justus-Liebig-Universität und dem Literarischen Zentrum Gießen, wird das Autoren-Duo am Donnerstag, dem 31. Januar, 20 Uhr in der Aula im Hauptgebäude der Universität aus „Abraham trifft Ibrahim“ lesen.