Kosmos der Kantaten

16. November 2018

Telemann komponierte 1.750 Kantaten, Bach brachte es „nur“ auf schätzungsweise 300, von denen rund ein Drittel als verloren gilt. Erhalten sind 199 Kantaten, jede ein Meisterwerk in unvergleichlicher ästhetischer und theologischer Qualität. Sie aufzuführen erfordert jedoch einen großen (finanziellen)n Aufwand und stellt an alle beteiligten Musiker hohe Ansprüche. Deshalb sind die Kantaten heutzutage eher selten zu hören, während sie zu Bachs Lebzeiten unter seiner Leitung in der Leipziger Thomaskirche als integraler Bestandteil des Gottesdienstes möglichst an jedem Sonntag und Feiertag in der Kirche dargeboten wurden. Mit enormer Resonanz: Zeitgenössischen Aufzeichnungen zufolge sollen bis zu 4.000 Menschen diese Aufführungen besucht haben. Bachs Kantaten wieder in das Bewusstsein und in das spirituell/religiöse Leben der Menschen im Rhein-Main-Gebiet zurückgeholt zu haben, ist das große Verdienst der beiden Kirchenmusiker Michael Graf Münster (Künstlerischer Leiter von Sankt Katharinen in Frankfurt) und Professor Manfred Lutz (und seines Nachfolgers Clemens Bosselmann, seit 2017 Propsteikantor in Wiesbaden-Schiersteiner). 2004 haben die beiden Kirchenmusiker die „BachVespern“ ins Leben gerufen, und seitdem wird jeweils an einem Wochenende pro Monat eine der Bachschen Kantate sowohl in der Katharinenkirche in Frankfurt als auch in der Christophorus- bzw. Marktkirche in Wiesbaden aufgeführt. Beteiligt an diesem ambitionierten künstlerischen Großprojekt sind neben den beiden Kantoreien von Sankt Katharinen und Schierstein die Frankfurt Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie das Bach-Collegium Frankfurt Wiesbaden. Der Ablauf ist stets dasselbe: Auf eine ausführliche Erläuterung von Komposition und Inhalt der aktuellen Kantate folgt das Glockengeläut. Anschließend beginnt der eigentliche Gottesdienst, in dessen Zentrum die Aufführung der Kantate steht. Kein „musikalisches Opfer“, sondern ein künstlerisches Kleinod und wertvolles Geschenk an die Bürger Frankfurts, Wiesbaden und Umgebung und eine Einladung an sie, Schönheit und Spiritualität der Liturgie in der protestantischen Tradition neu zu entdecken.    

 

 

 

 

und  seit 2017 von Propsteikantor Clemens Bosselmann, dem Nachfolger von Professor Lutz.