Farb-Töne

01. Dezember 2022

Mit »La Nativité du Seigneur« begründete der junge Olivier Messiaen im Jahr 1935 seinen Ruhm als bedeutendster Orgelkomponist des 20. Jahrhunderts. Der Zyklus ist eine Symbiose aus christlicher Mystik und musikalischer Avantgarde und hat mit der Innigkeit, die wir mit dem Begriff „Weihnachtsmusik“ verbinden, wenig zu tun. Messiaen war Synästhetiker, er hatte Farben vor Augen, wenn er Musik hörte. Klänge verbanden sich mit einem inneren Sehen bewegter, unaussprechlicher Farben. Für den 1949 in Schwerte geborenen Künstler Johann P. Reuter bildet Musik oft den Ausgangspunkt für sein künstlerisches Schaffen. Er findet einen visuellen Ausdruck, um die Musik in Bild und Farbe zu übersetzen. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich mit dem Werk von Olivier Messiaen auseinandersetzt. Ihm hat er bereits vor 30 Jahren eine „Hommage“ gewidmet.

In »La Nativité du Seigneur« gibt es entsprechend der neun Sätze der Komposition neun Bilder, die unterschiedliche Formate haben und sich um eine große Mitteltafel symmetrisch gruppieren. Bei dieser Mitteltafel handelt es sich um ein goldenes T-Kreuz und um das Zentrum des gesamten Ensembles, nicht nur in räumlicher Hinsicht. Die Tafeln links und rechts des Kreuzes sind spiegelbildlich angeordnet, behalten aber trotzdem ihre Eigenständigkeit.

Musik kann sich nur als Prozess in der Zeit ereignen. Wenn der letzte Ton verklungen ist, bleibt nichts zurück, außer der Erinnerung. Durch die Reihung seiner Bildtafeln hat Reuter die flüchtige Wirkung der Klänge in Materie transformiert, wobei es ihm gelungen ist, trotzdem das Schwebende der Musik zu erhalten.

Samstag, 26. November, 17 Uhr: Eröffnung der Ausstellung mit Werkeinführung zum neunteiligen Bilderzyklus von Johann P. Reuter und zum neunteiligen Orgelzyklus „La Nativité du Seigneur“ von Olivier Messiaen, im Westchor der Oppenheimer Katharinenkirche

Sonntag, 27. November, 17 Uhr: Olivier Messiaen: „La Nativité du Seigneur“ – Die Geburt des Herrn, neunteiliger Meditiationszyklus über die Geburt Christi