Weltepoche und Weltherrschaft des Menschen

11. August 2020

Krise ist immer. Seit Beginn der Moderne kommt die Welt nicht zur Ruhe, immer scheint gerade etwas zu Ende zu gehen und etwas Neues sich anzubahnen. Was es jeweils ist oder war, kann niemand genau benennen. Aktuell scheint die Digitalisierung unsere Gesellschaft radikal umzuformen und vor allem die Bereiche Arbeit und Kommunikation komplett neu zu definieren. Was bleibt vom kulturellen Erbe, was kann, was muss hinübergerettet werden in die Zukunft? Das sind die Fragen, mit denen sich der V. philosophisch-theologische Salon im Frühjahr 2020 befasst hat. Mit ihrer Themensetzung will diese Veranstaltung Antworten finden auf die alten Fragen nach dem Sein, nach dem Sollen, nach dem Sinn und nach dem guten Leben. Den Auftakt bildete am 11. Februar der Vortrag von Gerhard Schulz, emeritierter Professor für Soziologie der Universität Bamberg. Er fragt, wohin sich die Gesellschaft im 21. Jahrhundert bewegt.

Der bekannteste Denker, der im Salon zu Gast sein wird, dürfte Peter Sloterdijk sein. In seinem Vortrag plädiert der Philosoph und Kulturwissenschaftler für ein neues Erdenbürgertum über alle nationalen Eigeninteressen hinweg. Denn wenn wir tatsächlich im späten Anthropozän, also in einer vom Menschen bestimmten Weltepoche leben, dann tragen wir auch "die Verantwortung für die Bewohnung und Geschäftsführung der Erde", wie es Sloterdijk formuliert. Aktuell sieht er die Menschheit zwischen "manischer Verschwendung" und "depressiver Sparsamkeit" zerrissen, und seine Stärke besteht darin, dass er sich nicht zum Parteigänger einer Strömung oder Bewegung macht, sondern die Mentalitätsgeschichte der Postmoderne messerscharf analysiert und stilistischg brillant beschreibt, ohne dabei zu unterschlagen, was aktuell auf dem Spiel steht.