Ist dort das Tor zum Paradies?

16. November 2018

Gott ist ein Künstler. Das Werk, das er geschaffen hat? Wir, die Welt, alles. Aber hat Gott, der Künstler oder Regisseur, auch alles im Griff? Oder fängt seine Inszenierung an, aus dem Ruder zu laufen, sich zu verselbständigen? Es sei die „Lust am Erzählen“, die ihn dazu bewogen habe, die biblische Schöpfungsgeschichte auf die Bühne zu bringen, erklärt der Frankfurter Theatermacher Willy Praml: „Was für eine farbige, pralle, üppige Schöpfung entsteht da vor unserem Auge“, findet er. „Der Text bietet die Bilder für das grundsätzliche Zerwürfnis aller mit allem: Untreue, Brudermord, Inzest, Naturkatastrophen, Untergänge und Kriege …“ Im Mittelpunkt all dieser Turbulenzen steht die älteste Beziehung der Welt: die zwischen Mensch und Gott, spannungsreich von Anfang an, von Adam und Eva, die alles hatten, und es war dennoch nicht genug für sie, bis zu Joseph, Jakobs Lieblingssohn und Erfinder der Lebensmittelspekulation.

Vier Stunden dauert das „Genesis“-Schauspiel, vier Stunden lang werden die zehn Darsteller des Theaters Willy Praml in der Naxoshalle diese Jahrtausende alten Mythen und Geschichten zu neuem Leben erwecken, unter Einsatz unterschiedlichster Spielweisen und Stilmittel, begleitet und unterstützt von zwei Live-Musikern und filmischen Elementen. Und der Zuschauer muss draußen, jenseits von Eden, bleiben: hinter einem Tor, das an den Zugang zu einem Ort erinnert, an dem Gott, der angeblich Allmächtige, sein erwähltes Volk allein gelassen hat.

www.theater-willypraml.de