Vom Deutschnationalen zum Aktivisten für den Weltfrieden

13. April 2021

Martin Niemöller (1892–1984) zählt zu den bekanntesten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Seine Biografie ist durch mehrere Transite gekennzeichnet, dank deren sich seine politische Haltung immer wieder wandelte und er wiederholt radikal neue Positionen bezog. Vor der Machergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 positionierte er sich deutschnational und stand der NSDAP nahe. Während der NS-Zeit wurde er zu einer führenden Persönlichkeit des Widerstands der Bekennenden Kirche gegen den NS-Staat, wurde mehrfach verhaftet und in verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Nach 1945 betonte er die Schuld der evangelischen Kirche und engagierte sich radikalpazifistisch für Frieden und Versöhnung im Ost-West-Konflikt und für globale Gerechtigkeit. So bezeichnete er etwa die Soldatenausbildung als „hohe Schule der Berufsverbrecher“. Dies machte ihn zu einer prominenten, aber auch umstrittenen Person. Von 1947 bis 1964 amtierte Martin Niemöller als Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Ziel dieser Fachtagung ist es, die Rezeption Niemöllers – auch im europäischen Ausland – umfassend vorzustellen und dabei ganz unterschiedliche Facetten und Aspekte im Denken und Wirken des Theologen zu berücksichtigen, um am Ende zu einer Neubewertung seiner Bedeutung aus historischer und theologischer Sicht zu gelangen. Insgesamt ist die Konferenz in fünf Abschnitte unterteilt:

  1. Streitfragen: Antisemitismus und Widerstand bei Martin Niemöller
  2. Die Niemöller-Rezeption im europäischen Protestantismus
  3. Niemöller als Prediger und Theologe
  4. Niemöller in kirchlichen Kontexten
  5. Barmen und das Erbe der Bekennenden Kirche

Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. Aufgrund von Corona findet die Tagung im Videokonferenzraum der Evangelischen Akademie Frankfurt statt und wird per Livestream übertragen. Wer virtuell daran teilnehmen möchte, wird gebeten, sich anzumelden.