Plötzlich sichtbar

16. November 2018

Schon wer hier geboren wurde, empfindet sie mitunter als beklemmend: die „Unwirtlichkeit unserer Städte“, ein Begriff, den der Frankfurter Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich geprägt hatte. Wie aber erleben Flüchtlinge die Fassaden und endlosen Straßenfluchten moderner Großstädte? Von diesem Fremdsein unter Fremden erzählt die großformatige Fotoserie „New Citizens – Fotografien Geflüchteter“ des weißrussischen Künstlers Vitus Saloshanka, aufgenommen in einem Wohnwagen-Flüchtlingscamp im Frankfurter Stadtteil Rebstock.

Erst die Flucht aus dem Heimatland, dann die Unterbringung im Lager, das einem Transitraum zwischen zwei Leben gleicht, dem, das sie hinter sich lassen mussten, und ihrer möglichen Zukunft als Bürger in Deutschland, in dem sie noch nicht angekommen sind. Ein Aufenthalt, ein Übergang, eine Endstation oder ein Aufbruch?

Vom 30. April 2018 an hat man diese großformatigen Porträts an vielen Orten in Frankfurt entdecken können - an öffentlichen Gebäudefassaden und Kirchen: die plötzliche Sichtbarkeit von Menschen, die längst die Stadt bewohnen. Dank dieser Kunstinstallation im öfentlichen Raum tauchten sie aus der Unsichtbarkeit ihrer Unterbringungen auf. Aus dem abstrakten Begriff “Flüchtling” wurde ein Mensch, ein Individuum mit seiner ganz persönlichen Würde. So versucht diese Ausstellung auch, eine Neubesinnung anzuregen darüber, auf welchen Werten unser Zusammenleben in einer multikulturellen Stadtgesellschaft beruht oder beruhen sollte. (Eröffnung der Ausstellung war am Sonntag, 30. April, 12 Uhr auf dem Frankfurter Rossmarkt mit einem öffentlichen Konzert des syrischen Pianisten Aeham Ahmad und dem Ensemble “Staccato Burnout”.

www.newcitizens.de