Einmischung in die Schöpfung

02. Juli 2022

Unerhört – das dürfte diese Aufführung von Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ am besten charakterisieren. Denn der Rahmen einer klassischen Konzertveranstaltung wird gesprengt, und das mit voller Absicht. Die Idee der Jungen Kantorei Frankfurt, die die „Schöpfung“ aufführen wird, ist es, junge Menschen einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Wünsche, Träume und Forderungen in einer Art Drama-Demonstration während der musikalischen Darbietung vorzubringen. Für das Publikum soll das Impuls und Irritation gleichermaßen sein und sie dazu auffordern, sich der Perspektive junger Menschen auf die Zukunft unserer Welt zu öffnen. Während Haydn sein Werk im Paradies ausklingen lässt und die ersten Menschen im Einklang mit sich und der Natur präsentiert, ist unsere heutige Realität die einer bedrohten Erde, deren Überleben durch den Menschen und den von ihm verschuldeten Klimawandel gefährdet ist. 

Die „Schöpfung“ ist nur eines von drei Themen im Rahmen des Projekts „Junge Ohren“, mit dem die Junge Kantorei Heranwachsende für klassische Musik begeistern will. Auf dem Programm stehen außerdem eine Auseinandersetzung mit dem Bach‘schen „Weihnachtsoratorium“ und mit der Madrigal-Musik von Palestrina bis Hugo Wolf.

Als Kooperationspartner konnte die Bettinaschule aus dem Frankfurter Westend gewonnen werden, die dabei half, dass sich die Mitwirkenden textlich, musikalisch, tänzerisch und sportlich auf ihre Intervention während des Konzerts vorbereiten konnten. Für die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Themenkreis zur Klimakrise und der Verantwortung für die Schöpfung wurde ein Aktionstag mit Wissenschaftlern und Aktivisten abgehalten, flankiert von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit der Frankfurter Sektion von „Fridays For Future“.

Ein neuer Zugang zu klassischer Musik und konventionellem Konzertbetrieb – und wenn es nach der Jungen Kantorei geht, erleben alle, die dabei sind, wie „herausfordernd, streitbar, aufrüttelnd und kreativ“ diese Begegnung zwischen Tradition und Zukunft sein kann.