Zum Raum wird hier die Zeit

27. September 2021

Das Vanitas-Motiv zieht sich seit der frühen Neuzeit durch die abendländische Kunst und Kultur. Besonders eindringlich meldet sich der Gedanke an die Vergänglichkeit allen Seins und die Sinnlosigkeit menschlichen Strebens immer dann, wenn die eigene Existenz von außen bedroht und die Zukunft ungewiss scheint. So wie es aktuell viele Menschen in Anbetracht der weltweit sich ausbreitenden Corona-Pandemie empfinden. In früheren Jahrhunderten war es die Erfahrung der alles verheerenden Pest, die dieses Gefühl des Ausgeliefertseins und der Vergeblichkeit aller Anstrengungen hervorrief. Auch das musikalische Schaffen von Claudio Monteverdi (1567-1643) wurde durch die Erfahrung der Pest-Epidemie geprägt. Mit seiner „Selva morale e spirituale“ hinterließ der italienische Komponist ein musikalisches Vermächtnis, in dem das Memento mori  – das Eingedenksein der eigenen Sterblichkeit – mit der Hoffnung des Glaubens, die Vergänglichkeit durch Ewigkeit zu überwinden, verknüpft ist.

Mehrere Kompositionen Monteverdis bilden die Basis für das neue Projekt „Vanitas21 – The Present“ der Jungen Kantorei Frankfurt. Ihrer Aufführung werden während des Konzerts die Improvisationen des Trios Dell/Lillinger/Westergaard gegenübergestellt, um vertraute Hörgewohnheiten aufzubrechen und einen Zugang zur Gegenwart zu schaffen. Licht, Videoinstallationen und Bühnenbild setzen gleichzeitig das, was in der Musik geschieht, in eine räumliche erfahrbare Präsenz und eine mit allen Sinnen erlebbare Inszenierung um. Betörend, verstörend und ein (bislang) unerhörtes musikalisches Erlebnis.