See-Not

16. Mai 2022

Wasser ist Grundlage und Ursprung allen Lebens, ist bedrohte Ressource und bedrohliche Urgewalt zugleich. Die Katholische Erwachsenenbildung und die Fachstelle Bildung des Evangelischen Dekanats Wiesbaden-Schierstein möchten zum Wiesbadener Jahr des Wassers 2022 mit einem eigenen, ökumenischen Kunst- und Kulturprogramm beitragen. In dessen Zentrum stehen zwei Ausstellungen, die nacheinander in zwei Kirchen am Ort besichtigt werden können. Den Anfang bilden die Werke der beiden Künstler Lis Kortmann und Achim Ribbeck, die ab Ostersonntag in der katholischen Kirche „Peter und Paul“ präsentiert werden. Lis Kortmann fotografiert „Meereslandschaften“, die sie aus dem Plastikmüll formt, der an den schleswig-holsteinischen Stränden angeschwemmt wird. Das Verblüffende an ihren Arbeiten ist, dass sie den Müll - das Verderben für die Weltmeere - in unglaubliche ästhetische Bilder verwandelt. Ihre Kunst erklärt sie so: „Das Meer mit seiner endlosen Tiefe und Weite inspiriert als Sehnsuchtsort, dient als Projektionsfläche, beruhigt als Raum der Erholung und fordert als Inbegriff für Abenteuer Menschen weltweit heraus. Doch diese Urgewalt ist in Gefahr.“

Achim Ribbeck schnitzt aus hartem Buchsbaumholz Figuren, die dieser Urgewalt zu trotzen versuchen. Ihre Boote gleichen zerbrechlichen Nussschalen und wirken nicht so, als könnten sie denjenigen, der sie lenkt, durch die tosende See in den sicheren Hafen bringen. Ribbecks Menschen selbst sind Kämpfer; jeder ihrer Muskeln ist angespannt, ihr Wille, das Meer zu besiegen, scheint ungebrochen, und doch kommen sie einem verloren vor, ausgesetzt in den Weiten des Ozeans und zum Untergang verurteilt.

Am 5. Juni dann wird die Ausstellung „Im Reich der Stille“ der Kölner Fotografin Gaby Fey in der Schiersteiner Christophoruskirche eröffnet. Fey arrangiert ganze Menschengruppen und aufwändige Szenerien, aber auch einzelne Porträts unter Wasser, um diese ohne Sauerstoff gerät zu fotografieren. Daraus entsteht ein berührender Effekt: Bekannte Motive wie der Gekreuzigte oder das Letzte Abendmahl wirken plötzlich sonderbar entrückt, aber auch auf geheimnisvolle Weise verletzlicher und intimer.

Ergänzt wird die Präsentation dieser außergewöhnlichen Kunst durch ein abwechslungsreiches Programm mit Gesprächen, Stadtrundgängen und Vorträgen.