"Kartographie der Trauer"

27. September 2021

Nenn es Weltschmerz, nenn es Todessehnsucht, nenn es Traurigkeit – diese Gefühle gehören auch zur sogenannten „unbeschwerten Jugend“, ein Lebensalter, das in Wahrheit eher durch ein steiles Auf und Ab der Stimmungen gekennzeichnet ist als durch ein stabiles Hochgefühl. Besonders die konkrete Erfahrung von Tod und Trauer, wenn jemand aus dem eigenen Umfeld stirbt, wirkt häufig stark verunsichernd auf junge Menschen. Diese Ängste und Befangenheiten und der Umgang mit ihnen bilden den Ausgangspunkt für die Theater-Performance „Wearing heavy Boots“ des 2015 in Frankfurt gegründeten Ensembles „Hella Lux“. Von Anfang an haben die Künstlerinnen von Hella Lux auf eine Aufhebung der klassischen Teilung in Aufführende und Publikum gesetzt. Und so hatte auch die Arbeit an dieser Perfomance begonnen, bis Corona dazwischenkam und den Künstlerinnen auf beklemmende Art deutlich machte, wie aktuell ihr Thema war. Denn auch Corona konfrontiert uns unmittelbar mit Tod und Trauer. 

Ursprünglich als Theaterprojekt mit Beteiligung jugendlicher Akteure geplant, hat Hella Lux umdisponiert und „Wearing heavy Boots“ als Filmprojekt realisiert. Der Zeitraum Ende Februar, der für die Theaterproben angesetzt war, wurde jetzt zum Drehtermin. Dabei setzten die Akteurinnen gezielt filmische Stilmittel ein, zum Beispiel eine Flugdrohne mit Kamera, die über den Kirchenvorplatz flog oder simulierte Kamerafahrten. 

"Wearing heavy boots" entwickelt auf der Basis klassischer Kondolenz-Motive eine „Kartographie der Trauer“ für Heranwachsende ab 12 Jahren, in deren Zentrum Ideen und Assoziationen um die Themen „Alleinsein“, „Teilen“ und „Anteilnahme“ stehen. Eine Annäherung an das Unfassbare, das der Tod für uns Menschen immer bleiben wird.  

"Wearing heavy Boots" konnte vom 24. bis 30. März auf Vimeo als 45minütiger Video-Film für den Einzelpreis von 10 Euro für 24 Stunden heruntergeladen werden. Informationen unter www.sanktpeter.com